F.A.Q. - Häufig gestellte Fragen

Was ist überhaupt ein autonomes Frauenhaus?
Ein Frauenhaus ist ein Haus, in das sich Frauen flüchten können, die von ihren Männern, PartnerInnen oder Vätern körperlich oder seelisch misshandelt werden. Autonome Frauenhäuser werden die Frauenhäuser genannt, die aus der autonomen Frauenhausbewegung heraus entstanden sind und die weder in städtischer, noch in kirchlicher oder Verbands-Trägerschaft sind. Die meisten autonomen Frauenhäuser sind in Trägerschaft eines eingetragenen Vereins. Sie sind Mitglied der jeweiligen Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser und werden auf Bundesebene repräsentiert durch die Zentrale Informationsstelle für autonome Frauenhäuser. Die autonomen Frauenhäuser haben sich auf Kriterien geeinigt, wann sich ein Frauenhaus autonom nennen darf.

Unser Frauenhaus gibt es seit dem 1. März 1979.

 

Welche Frauen kommen ins Frauenhaus?
Ins Frauenhaus kommen Frauen jeden Alters, jeder sozialen Schicht und jeder Nationalität.
Die weit verbreitete Annahme, Männer aus höheren sozialen Schichten würden ihre Frauen oder Töchter nicht misshandeln, ist falsch.
Gewalt gegen Frauen hat auch nichts mit der Nationalität oder einem bestimmten Kulturkreis zu tun, sondern ist ein weltweites Problem. Deutsche Männer misshandeln Frauen genauso wie Männer aus anderen Ländern und Kulturen.

 

Wie kommen Frauen, die in Not sind, ins Frauenhaus?
Die Adresse des Frauenhauses ist zum Schutz der Frauen und Kinder geheim. Mit Frauen, die ins Frauenhaus möchten, wird ein Treffpunkt vereinbart.
Das Frauenhaustelefon (0228/635369) ist rund um die Uhr besetzt. Neue Frauen können von den anderen Bewohnerinnen Tag und Nacht aufgenommen werden.

 

Können die Frauen ihre Kinder ins Frauenhaus mitbringen?
Ja. Im Frauenhaus leben Mütter mit ihren Kindern und Frauen ohne Kinder. Manchmal leben sogar mehr Kinder als Frauen im Frauenhaus.

Für die Kinder gibt es ein Tobezimmer und ein Spielzimmer. Mehrmals in der Woche können die Kinder zur Kindergruppe kommen und dort mit den anderen Kindern und den Mitarbeiterinnen sprechen, spielen, basteln, Feste feiern oder Ausflüge machen.

 

Wie viel Prozent der Frauen gehen zu ihren Männern zurück?
Ca. 30 % der Frauen ziehen nach dem Frauenhausaufenthalt in eine eigene Wohnung.
Ca. 25% der Frauen gehen wieder zu ihrem Misshandler zurück.
Die übrigen Frauen ziehen entweder zu Verwandten oder FreundInnen, müssen wegen akuter Bedrohung in ein anderes Frauenhaus wechseln oder ziehen aus dem Frauenhaus aus, ohne dort den neuen Aufenthaltsort bekannt zu geben.

 

Wie viele Frauen und Kinder leben im Frauenhaus?
Im autonomen Frauenhaus Bonn können bis zu 22 Personen (Frauen und ihre Kinder) wohnen. Meistens ist das Frauenhaus voll, oft sogar überfüllt.

 

Wie leben die Frauen und Kinder im Frauenhaus?
Mütter mit Kindern haben fast immer ein eigenes Zimmer. Frauen ohne Kinder müssen sich leider meistens ihr Zimmer mit anderen Frauen teilen.
Es gibt im Frauenhaus  2 Küchen und 3 Bäder, die gemeinsam benutzt werden. Leider ist im Frauenhaus alles sehr beengt.
Das autonome Frauenhaus ist kein Heim!
Die Bewohnerinnen haben ihr eigenes Geld (Lohn/Gehalt, Rente, Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe, Unterhalt etc.) und versorgen sich davon selbst.
Sie sind für sich und ihre Kinder allein verantwortlich und bestimmen selbst über ihr Leben.

Die Bewohnerinnen können sich bei Bedarf  Rat und Unterstützung bei den Mitarbeiterinnen holen. Dadurch, dass alle Bewohnerinnen des Frauenhauses ähnliche Probleme haben, können die Frauen sich auch sehr gut gegenseitig helfen.

 

Wie lange können die Frauen im Frauenhaus bleiben?
Es gibt keine vorgegebene zeitliche Befristung des Frauenhausaufenthaltes.

Die Frauen können selbst bestimmen, wie lange sie den Schutz des Frauenhauses brauchen. Natürlich ist das Frauenhaus keine Dauerwohnung, sondern ein vorübergehender Schutz. Wie lange die Frauen auf eine eigene Wohnung warten müssen, hängt von der Situation auf dem Wohnungsmarkt ab. Frauen mit bis zu einem Kind warten zur Zeit ca. 3 Monate auf eine Wohnung, Frauen mit mehreren Kindern müssen oft 6 Monate und länger warten.

 

Haben sich die Aufnahmezahlen im Frauenhaus durch das Gewaltschutzgesetz geändert?
Nein. Das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz + geänderte Polizeigesetz (kurz gesagt: der Schläger muss gehen, das Opfer kann in der Wohnung bleiben) ist zwar eine wichtige Unterstützung für misshandelte Frauen. Für viele Frauen reicht der Schutz des neuen Gesetzes aber nicht aus und sie müssen nach wie vor in den  Schutz der Anonymität des Frauenhauses flüchten. Auch nach 2002 ist unser Frauenhaus jedes Jahr leider überfüllt.

 

Kann man das Frauenhaus besichtigen?
Nein. Die Adresse des Frauenhauses ist zum Schutz der Frauen geheim. Außerdem ist es die Wohnung der Frauen und wer möchte schon, dass fremde Leute Besichtigungstouren durch die eigenen vier Wände machen?

 

Wer bezahlt das Frauenhaus?
Das autonome Frauenhaus in Bonn erhält seit Mai 2011 vom Land NRW wieder einen pauschalen Personalkostenzuschuss, der ca. 65 Prozent der Kosten für 4 feste Stellen (2 Stellen für die Arbeit mit den Frauen, 1 Stelle für die Arbeit mit den Kindern und  1 weitere Mitarbeiterin für Instandhaltung, Verwaltung etc.) deckt. Die vorherige Landesregierung hatte 2006 den Zuschuss für eine der Stellen für die Arbeit mit den Frauen gestrichen. Diese Kürzung wurde 2011 von der derzeitigen Landesregierung rückgängig gemacht.

Zu dem Landeszuschuss  kommt ein städtischer Zuschuss, der auch nur einen Teil der Ausgaben deckt und seit 2006  noch um 5 % gekürzt wurde.

Weitere Einnahmequellen sind Mieteinnahmen (die Miete im Frauenhaus kostet zur Zeit 6,14 € pro Tag) sowie Spenden und Bußgelder. Da die Kosten immer weiter steigen, ist die gesamte Finanzierung des Frauenhauses zunehmend abhängig von Spenden und Bußgeldern – eine sehr unsichere Sache! Deshalb ist es jedes Jahr bis zuletzt unsicher, ob das Geld reichen wird und der Verein muss viel Energie in die Sicherung der bloßen Existenz des Frauenhauses setzen.

Leider gibt es trotz der mittlerweile unbestrittenen Notwendigkeit von Frauenhäusern immer noch keine gesetzliche oder auch nur verbindliche Grundlage für ihre Finanzierung.